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Apex Proto

Ein Science-Fiction Rollenspiel

1996 - 2003

Game Over

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Liebe Interessentin,
Lieber Interessent,

nach beinahe 8 Jahren Entwicklungs-, Verbesserungs und Testphase, der Veröffentlichung eines vollständigen, spielbaren Releases samt Weltenbeschreibung und einiger Quellenbände, nach der vollständigen Neukonzeptionierung und dem Beginn der Entwicklungsarbeiten an Apex L2, des Releases der nächsten Generation, fällt es mir schwer, diese Bekanntgabe machen zu müssen:

Das Projekt Apex Proto wird zum Ende des Jahres 2003 eingestellt.

In den vergangenen Jahren war Apex meine kreative Lieblingsbeschäftigung und meine hauptsächliche Aktivität in der Rollenspielszene. Obwohl die Entwicklung und das Spielen mir meist viel Freude bereitet haben, hat sich der Gedanke, mit diesem Projekt aufzuhören, immer wieder aufgedrängt. Insbesondere für die "Insider", die den oft steinigen Weg von Apex begleitet haben, kommt meine Entscheidung sicher nicht überraschend. Ich möchte dennoch noch einmal meine vielfältigen Gründe für diesen Entschluss formulieren.

1. Mein Rückzug aus der Rollenspielszene

Mein Weg durch die Welt des Rollenspiels stand leider nie unter einem guten Stern. Ich kann (und möchte) niemandem die Schuld dafür geben. Ich habe nur, nach zahlreichen Enttäuschungen, festgestellt, dass mein Verständnis vom Rollenspiel nur von wenigen anderen Spielern (oder Spielleitern) geteilt wird und es deswegen immer wieder Probleme gab, die letztendlich sogar zum Scheitern von Spielrunden geführt haben. Ich weiß nicht, ob das, was ich unter Rollenspiel verstehe, überhaupt der klassischen Sichtweise entspricht. Mir ging es immer darum, einen Charakter möglichst frei in der jeweiligen Spielwelt entfalten zu können. Das heißt, ich mache mir einen Charakter und sehe, wie er in dieser Welt funktioniert, und was er erreichen kann. Mir waren vom Spielleiter gesteckte Vorgaben dabei nie so wichtig. Vielleicht habe ich deshalb auch zu hohe (oder jedenfalls nicht erwünschte) Ansprüche an meine Spieler gestellt. Meine Runden waren nicht frei von einer Hintergrundhandlung und gewissen Vorgaben des Szenarios, aber letztendlich habe ich von den Spielern immer ein hohes Maß an Eigeninitiative und einen Plan für die Handlungen und Ziele ihrer Charaktere erwartet. Ich kann heute sagen, dass auch Apex als Rollenspielsystem auf diesen Stil ausgerichtet war.
Wie auch immer, nach zahllosen gescheiterten Runden und vielen Abenden, die im Frust oder gar im Streit endeten, musste ich feststellen, dass ich scheinbar nicht fürs Rollenspiel gemacht bin, oder zumindest nicht die richtigen Leute dafür gefunden habe. Schon lange vor meiner Entscheidung Apex betreffend habe ich überhaupt keine RL-Runden und nur noch gelegentlich in IRC-Runden gespielt. Nachdem diese nach und nach eingeschlafen sind, war ich damit praktisch rollenspielfrei. Ich möchte mir weitere Enttäuschungen ersparen, und werde daher an der Szene allenfalls noch als Beobachter teilhaben. Natürlich macht es für mich als Nicht-Rollenspieler nunmehr keinen Sinn, weiterhin ein Rollenspiel zu entwickeln.

2. Apex ist mir über den Kopf gewachsen

Wie wohl jedes andere "freie" System auch begann Apex als eine Idee, und dann eine Sammlung von Notizen, Tabellen, Regeln und anderer Dokumentationen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Als ich all dies zum ersten großen (und vollständigen) Release, der Version 5, zusammengefasst und in Buchform gebracht habe, stand ich trotz des vergleichsweise hohen Umfangs vor einer überschaubaren Aufgabe. Somit verursachte der Release zwar immer noch einige Monate Arbeit, aber letztendlich war es zu schaffen, und schließlich konnte ich ein komplettes Regelbuch zum kostenlosen Download anbieten, zu dem sich in den folgenden Monaten sogar noch einige Quellenbände gesellten.
Mit dem Bekanntheitsgrad von Apex sind im Laufe der Jahre natürlich auch die Ansprüche gewachsen. Die sogenannte "freie Rollenspielszene" hat sich organisiert, und viele Rollenspiele, die als Hobbyprojekte begonnen wurden (oft zur selben Zeit wie Apex), sind mittlerweile ihren "Kinderschuhen" entwachsen und als professionelles Druckwerk erschienen.
Ich war immer ein starker Verfechter der komplett "freien", d.h. kostenlosen Rollenspiele. Teils, weil ich die am Markt befindlichen Systeme für überteuert hielt, teils weil ich das Gefühl hatte, der Gemeinschaft irgendetwas geben zu müssen. Außerdem war die Szene der freien Rollenspiele auch ein Tummelplatz kreativer und interessanter Menschen, kurz, es lohnte sich, ein Teil davon zu sein.
Mir sind in dieser Zeit all die Verbesserungsmöglichkeiten und Schwachstellen von Apex (Version 5) deutlich geworden, derer ich ohne eine komplette Neuentwicklung nicht mehr hätte Herr werden können. Aber auch durch den allgemeinen Fortschritt der Ansprüche an freie Rollenspiele war eine solche Neuentwicklung angezeigt. Professionelles Layout und Illustrationen, am besten auch Hardcover-Printausgabe, Präsentation auf Messen und andere PR-Maßnahmen waren plötzlich Erwartungen, die auch an freie Rollenspiele gestellt wurden.
Und ehrlich gesagt, warum auch nicht? Schließlich haben wir, d.h. die Autoren der freien Rollenspielszene, immer wieder behauptet, Produkte erstellen zu wollen, die mit den kommerziell ausgerichteten Werken der großen Verlage mithalten können. Ob dies nun Übereifer oder Naivität war, jedenfalls habe auch ich, zumindest in der langfristigen Perspektive, immer diese Ansprüche an Apex gestellt.
Mit der Zeit haben sich die freien Projekte natürlich in diese Richtung weiterentwickelt, und einige haben irgendwann den nächsten logischen Schritt vollzogen und wurden kommerziell. Zwar oft ohne Kostendeckung, aber immerhin wurden sie als professionelle Produkte akzeptiert. Bis heute gibt es wohl kein freies System, dass frei geblieben ist, und trotzdem das Ausmaß und die Qualität eines kommerziellen Systems erreicht hätte. Ich gehe mittlerweile sogar davon aus, dass dies gar nicht anders möglich ist.
Welche Zukunft hätte sich also für Apex geboten, das nun an diesem Scheideweg stand? Es drängte sich auf, sich endlich mehr um die PR zu kümmern, Illustratoren zu suchen, vielleicht eine Print-Ausgabe in Erwägung zu ziehen, kurz, mehr oder weniger kommerziell zu werden. Und ich kann es den Angehörigen der Apex-Zielgruppe ja gar nicht übel nehmen, dass sie dies auch von einem freien System erwarten. Viele Rollenspieler kaufen ja Systeme überhaupt nur wegen der schönen Illustrationen und der dadurch hervorgerufenen Atmosphäre.
Hat die Idee allein also niemanden interessiert? Vielleicht. Auf jeden Fall konnte ich sie niemandem mehr "verkaufen", ohne noch mehr zu investieren. Ich habe aber ein eigenes Rollenspielsystem am Markt nie als ein wesentliches Lebensziel verstanden. Es ging mir darum, meine Kreativität zu entfalten und anderen eine Idee zu vermitteln. Wenn es dabei auch noch Spaß macht, um so besser. Ich war aber in dem Stadium, das Apex zum Schluss erreicht hat, bereits ausgelastet. Jedenfalls hätte ich nicht auch noch in Marketingmaßnahmen, Illustrationen oder gar eine Print-Ausgabe investieren können. Bereits das Verfassen des Apex L2 Regelwerks hätte meine für Rollenspielentwicklung zur Verfügung stehenden Zeitreserven vollkommen ausgelastet und bestimmt ein oder zwei Jahre erfordert. In dieser Zeit hätte ich die Interessenten immer weiter vertrösten müssen und auch nichts zu präsentieren gehabt. Kurz, alleine hätte ich Apex nicht mehr auf die nächste Stufe bringen können. Ich stand vor der Entscheidung, Apex ernster zu nehmen (und zu einem meiner wesentlichen Ziele zu machen) oder es aufzugeben. Leider musste meine Entscheidung sein, das Projekt einzustellen.

3. Mangelndes öffentliches Interesse

Insgesamt wurde Apex (v5) seit seiner Veröffentlichung über 1.000 mal teilweise oder komplett downgeloadet. Die Homepage hatte regelmäßig über 100 Zugriffe pro Woche von verschiedenen Rechnern. Es gab immer einen (kleinen) Kreis von Leuten, die mir persönlich bekannt waren, mit Rat und Tat zur Seite standen oder zumindest gespielt haben und mit denen ich mich über Apex austauschen konnte. Einige fanden sogar die Welt und die dahinter stehenden Ideen gut und haben mir das auch mitgeteilt. Es gab trotz gelegentlichen Frustes eine Menge Runden, die sehr unterhaltsam waren und mir als Spielleiter (zum Schluss tatsächlich auch mal als Spieler) Freude gemacht haben. Ich möchte also keinesfalls den Leuten, die das Projekt als "Insider" begleitet haben, irgendwelche Vorwürfe machen. Ihr wisst, dass ihr gemeint seid, und sollt euch von der hier geäußerten Kritik nicht angesprochen fühlen.
Aber es gab auch eine Kehrseite der Medaille. Trotz der vielen Downloads war die Anzahl der Rückmeldungen und Ermunterungen, die ich für Apex erhalten habe, immer sehr spärlich. Ich habe das gelegentlich auf der Homepage geäußert und mich trotzdem für das Interesse bedankt.
Nachdem nun Jahre ins Land gegangen sind, und sich an der Situation trotz der offensichtlichen Bekanntheit der Homepage nichts geändert hat, begann ich mir die ernsthafte Frage zu stellen, worauf das geringe Interesse an Apex zurückzuführen sein könnte.
Zum Einen sind die Ideen, die der Apex-Welt zugrunde liegt, natürlich inkompatibel mit den beliebtesten typischen Rollenspiel-Szenarien und vielleicht auch mit der üblichen Spielweise. Das war mir von Anfang an mehr oder weniger bewusst, aber ein gewisses Interesse schien zumindest unter den Fans des Cyberpunk-Genres vorhanden zu sein. Letztendlich will ich diesen Punkt auch nicht weiter vertiefen, denn an der zugrundeliegenden Idee hätte ich weder etwas ändern wollen noch können (ohne den Charakter von Apex vollkommen umzuwerfen).
"Friss oder stirb" war zwar auch nie meine Devise, aber letztendlich musste ich in Kauf nehmen, dass Apex sich schon rein inhaltlich als Nischenprodukt mit nur geringer Nachfrage qualifiziert.
Zum Anderen konnte ich wohl auch die Ansprüche, die inzwischen an die Präsentation eines freien Rollenspielsystems gestellt werden, nicht erfüllen. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, ob diese Ansprüche nun übertrieben oder völlig gerechtfertigt sind. Jedenfalls war es in meinem Ermessen zu viel des Guten, quer durch die Republik zu reisen, um Leute persönlich von den Vorzügen von Apex zu überzeugen. Das hatte teilweise finanzielle Gründe, aber natürlich musste ich auch den Aufwand in Grenzen halten, den ich in ein kostenloses Produkt investiere.
Ich finde es schade, dass dieser Aufwand nicht genug war, um auch eine Menge von Interessenten zu gewinnen, die der Größe und Bekanntheit des Projektes meiner Ansicht nach angemessen gewesen wäre. Von Spielrunden, abgesehen von meinen eigenen, habe ich trotz der vielen Downloads nie erfahren, und abgesehen von einer Lobmail ab und an gab es kaum Kritik oder detaillierte Rückmeldung für die Arbeit.
Ein in den letzten Monaten eingerichtetes neues Forum wurde praktisch nie von Leuten außerhalb des Kreises der "Insider" benutzt. Ich hätte es also ebensogut weglassen können.
Ich finde es besonders schade, dass die Gründe für das geringe Interesse an Apex, jetzt wo ich dies schreiben muss, immer noch so im Dunkeln liegen. Entweder es war nie jemand ehrlich, und Apex war tatsächlich minderwertiger "Schrott", oder es ist aus irgendeinem Grund niemandem bewusst geworden, dass es eigentlich ganz brauchbar (und meiner Meinung nach sogar interessant) ist.
Vielleicht ist es auch einfach nicht üblich, sich für irgendetwas zu bemühen, das man kostenlos bekommen hat? Aber ob eine einfache Mail denn zu viel verlangt war? Ich weiß es nicht, und werde es wohl nie ganz erfahren. Jedenfalls ziehe ich nunmehr den Schlusstrich unter 8 Jahre Ungewissheit, und wenn Apex stets nur für mich selbst und einen kleinen Kreis von Freunden interessant war, dann hat es spätestens mit meinem Rückzug aus der Rollenspielszene jede Daseinsberechtigung verloren.

Abschließend möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die mir in irgendeiner Form bei Apex zur Seite standen, in Apex-Spielrunden mitgespielt haben und mir oft durch ihren Zuspruch und ihre ehrliche Kritik den entscheidenden Impuls gegeben haben, trotz aller Rückschläge mit Apex weiter zu machen. Nicht zuletzt euch ist es zu verdanken, dass es Apex überhaupt so lange gegeben hat, und dass es in dieser Zeit für mich viele unterhaltsame Spielrunden und auch Einsichten in die "Grundprinzipien" des Rollenspiels gab.
Insbesondere den Regulars des Channels #apex im euIRC.net habe ich in dieser Hinsicht einiges zu verdanken. Glaubt mir, ihr hättet vermutlich nichts tun können, das ihr nicht sowieso getan habt, um mich von diesem Ende für Apex abzubringen. Das war eine persönliche, aber deshalb leider um so mehr notwendige Entscheidung.
Besondere Erwähnung verdient in diesem Zuge auch das FERA, meines Erachtens die zentrale Anlaufstelle für Autoren der freien Rollenspielszene und ein Hort von Kreativität und interessanten Diskussionen rund um Rollenspielphilosophie. Ich habe dort immer auch offene Ohren für Themen rund um Apex gefunden, und wenn ich noch irgendeine Verbindung zur Rollenspiel-Autorenszene behalte, dann sicherlich im und über das FERA. ( http://www.das-fera.de/ )

Ob es doch noch eine Zukunft für Apex gibt? Wer weiß. Schließlich ist die Zukunft noch nicht geschrieben.
Ich werde die Homepage (inklusive der Downloads) vorübergehend online lassen, da sie ja (hoffenlich) niemanden stört und sich vielleicht doch noch ein paar Leute für solches "Urgestein" der freien Rollenspielszene interessieren.
Vielleicht nutze ich das durch Apex gewonnene Material und die Erfahrungen auch im Rahmen eines anderen Projekts. Was das sein könnte, darüber habe ich zum jetzigen Zeitpunkt aber keine konkreten Vorstellungen.
Nicht auszuschließen auch, dass ich irgendwann zum Rollenspiel und besonders zu Apex zurückfinde, wenn ich die Muße dafür habe. Bis dahin kann aber noch das eine oder andere Jahr ins Land ziehen.

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

'nuff said.

Vielen Dank.

Jörn P. Meier
11. Dezember 2003

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